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Heidenheimer Abendvorträge zur Klosterkultur

Reliquienkult in mittelalterlichen Klöstern

Termin: Mi, 5. Juni, 19.30 Uhr
Ort: Foyer Westflügel Kloster
Referent: Dr. Ralf Lützelschwab (Berlin/San Marino)
Organisation: Dr. Anne Müller

In Kooperation mit dem Diözesanbildungswerk Eichstätt.

Reliquien waren in mittelalterlichen Klöstern und Kirchen hoch geschätzte Gegenstände religiöser Verehrung. Genau wie Geld mussten sie vor Fälschung, Diebstahl oder auch Inflation geschützt werden. Besonders begehrt waren sog. Primärreliquien, d.h. die körperlichen Überreste von Heiligen, denen eine besondere Wirkkraft (virtus) zugeschrieben wurde. Denn Heilige waren der Vorstellung nach in ihren Reliquien auch nach dem irdischen Tod präsent und konnten so für die Gläubigen vor Gott eintreten. Aber auch Gegenstände, mit denen Heilige in Berührung gekommen waren, wurden als Reliquien verehrt, etwa Partikel von Kleidern oder auch Flüssigkeiten wie das Eichstätter Walburgisöl.

Der Vortrag gibt einen Überblick über die mittelalterliche Reliquienverehrung von der Zeit der Urkirche und der kultischen Verehrung er ersten Märtyrer-Reliquien bis hin zur Reformation, als Reliquien in Verruf gerieten. Im Fokus stehen die Mönchsgemeinschaften, die mitunter kolossale Reliquiensammlungen zusammentrugen. Fallbeispiele zeigen, welche enorme legitimatorische Bedeutung Reliquien für einzelne Klöster haben konnten, gleichzeitig aber auch, welche Schwierigkeiten aus dem Besitz „falscher“ Reliquien erwachsen konnten.

Dr. Ralf Lützelschwab ist Historiker und Spezialist für mittelalterliche Ordensgeschichte. Er ist Lehrbeauftragter an der Freien Universität Berlin und gegenwärtig als Research Fellow an der Huntington Library in Kalifornien tätig. Seine Habilitation untersucht das legitimatorische Potential der Reliquienschätze englischer und französischer Herrscher.