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Am Walburgisgrab

Und nun, lieber Freund, halte inne und werde still, vor Walburgens Grab! Hier stehst du an der Stelle, an der eine "Schlüsselfigur des christlichen Abendlandes" (Holzbauer) ihr Erdendasein beendete. Walburgis steht zwar im Schatten des großen Winfried Bonifatius, der die christliche Grundlegung Europas einleitete, aber als seine Mitarbeiterin hat sie geradezu abendländische Verehrung erlangt. Ihr Ruhm, durch rührige Bischöfe, Ordensleute und Adelige in alle Richtungen getragen, wurde geradezu zum Symbol der angelsächsischen Mission. Ihre Reliquien waren nicht nur Zeichen der göttlichen Allmacht und der Gemeinschaft der Heiligen, sondern Erinnerung an die gemeinsame Überlieferung der angelsächsischen Sendboten des christlichen Glaubens.

Die Spuren ihres Erdendaseins verlieren sich im Dunkel ihrer Zeit. Walburga, die Schwester Willibalds und Wunibalds, wurde wohl um 710 in Südengland geboren. Schon in jungen Jahren erhielt sie ihre Erziehung in einem angelsächsischen Kloster, vielleicht im Doppelkloster Wimborne, dem heutigen Wimborn-Minster. Die angelsächsischen Klöster des 7. und 8. Jahrhunderts waren keine das Maß überschreitende Geißelstätten des Körpers, keine Orte, in denen die gottesdienstlichen Formen in einen eintönigen Leerlauf gerieten. Nein, sie waren hervorragende Bildungsstätten, die über viele alte Handschriften verfügten. Für den Menschen des frühen Mittelalters aber war der Glaube und Anfang und Voraussetzung aller Gelehrsamkeit. So dürfen wir auch annehmen, da Walburgis nicht nur vom Geiste asketischer Disziplin erfüllt war, sondern dass sie auch eine feine, hervorragende Bildung erlangt hatte, als sie mit ihrer Verwandten, der schreibgewandten angelsächsischen Nonne Hugeburg, nach Heidenheim kam, um nach dem Tode ihres Bruders Wunibald die Leitung des Doppelklosters zu übernehmen.

Als sie etwa am 25. Februar 779 starb, wurde ihre sterbliche Hülle an der Stelle in die Erde gesenkt, an der heute ihr eindrucksvolles Grabmal steht.

Obwohl die Reliquien der Heiligen etwa hundert Jahre nach ihrem Tode nach Eichstätt überführt wurden, so verwahrt doch auch die Heidenheimer Kirche ein Grabmal von so seltener und ausgezeichneter Form, dass an einer tiefen Verehrung der Heiligen auch in Heidenheim während des hohen und ausgehenden Mittelalters nicht gezweifelt werden kann.

Der würfelförmige Bau der Grabkapelle entstand im frühen 13. Jahrhundert, in einer Zeit, in der die geniale Kaisergestalt Friederichs II. Europa mit ihrem Glanz erfüllte, in der der Bamberger Dom mit seinen hervorragenden Kunstwerken errichtet wurde. Das Grabmal gleicht einer Burg, deren Mauern von Zinnen gekrönt sind. Fast ist man versucht anzunehmen, der Künstler, der diese Grabstätte schuf, hätte dabei an ihren Namen gedacht und Walburga als eine "Burg des Glaubens" empfunden, denn die Heilige war Richtschnur und Leitbild der damaligen Gesellschaft. Leider wurde diese eindrucksvolle Grabkapelle, die sich so großartig in das Innere der romanischen Basilika fügt, im 18. Jahrhundert dadurch verunstaltet, dass man an ihrer Südwand die Arkaden beseitigte und dafür einen großen Korbbogen setzte.

Nun fließt zwar das Licht in reicher Fülle in das Innere der Kapelle und erleuchtet die darin aufgestellte Tumba. Doch wurde dadurch das ehrwürdige Dämmerdunkel verdrängt, das ehedem dem Beter in frommer Andacht an der Tumba der Heiligen in Gefühlsreichtum versinken ließ. An der Nordwand der Kapelle sind die Arkaden mit den reizvollen Säulen noch erhalten.

Die Tumba der Heiligen, um 1484 errichtet, ist an zwei Seiten von einem Maßwerkfries aus Fischblasen und Dreipassringen überzogen. Auf der Deckplatte liegt die Heilige im Ordensgewand der Benediktinerinnen. Zwei Englein halten zu ihren Häupten eine Krone, Sinnbild ihrer königlichen Herkunft, die ihr die Legende zuschrieb. Denn die mittelalterliche Gesellschaft konnte sich eine so bedeutende Heilige nur als Adelsheilige vorstellen. Darum hält sie in der Rechten als Zeichen ihrer königlichen Würde auch ein Szepter. Die Linke aber ergreift ein Buch, vielleicht die Ordensregel, auf dem ein Ölfläschlein ruht. Dieses Ölfläschlein ist das Attribut der heiligen Walburga. Was soll es bedeuten? Bald nach ihrer Überführung nach Eichstätt erwuchs die Vorstellung, aus ihren Gebeinen fließe ein Öl, das Walburgisöl, das Wunderheilungen bewirkte.

Das Grabmal der Heiligen in Heidenheim wie ihre gesamte Verehrung ist umwittert vom geheimnisvollen Wirken des Wunders. Wir modernen Menschen, die wir nur jene Werte schätzen, die wir mit dem Verstande messen und wägen können, sollten uns hüten von der hohen Warte der Vernunft geringschätzig auf die Wundergläubigkeit des mittelalterlichen Menschen herabzublicken. Das wäre eine Einengung unseres Denkens, die anderen Einstellungen des Erkennens oder Handelns wie der magischen und der mythischen nicht gerecht wird. Der mittelalterliche Mensch schöpfte aus dem Wunder die Kraft seines Glaubens. Er hatte noch eine sehr lebendige Beziehung zum wunderwirkenden Geschehen.

Hier am Walburgisgrab im ehrwürdigen Münster zu Heidenheim verspüren wir noch einen Hauch von der tiefen Wundergläubigkeit des mittelalterlichen Menschen

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